Medizinisches Cannabis – ist das neu?

Medizinisches Cannabis gewinnt in der Behandlung von Krankheiten zunehmend an Bedeutung. Durch intensive Forschungstätigkeit ist es gelungen, das Anwendungsspektrum kontinuierlich zu erweitern. Die Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit und die gewonnenen Erkenntnisse kommen dabei einem Quantensprung gleich. Denn bereits seit mehr als 5000 Jahren nutzen Menschen Cannabis als Heilpflanze, allerdings waren die Mechanismen für dessen Wirkung lange Zeit unbekannt. In den 1920er Jahren basierten etwa 60 Prozent der verordneten Schmerzmittel auf Cannabis. Allerdings gelang es der Wissenschaft erst Mitte der 1960er-Jahre, THC als den berauschenden Stoff der Hanfpflanze zu identifizieren. Etwa 30 Jahre später wurde das Endocannabinoid-System des menschlichen Körpers entdeckt – damit war der Durchbruch gelungen. Cannabionide und Cannabionid-Bindungsstellen, sogenannte Rezeptoren, können verschiedene Prozesse im menschlichen Nerven- und Immunsystem sowie weitere Körperzellen beeinflussen. In den letzten Jahren hat die Anzahl der Produkte, deren Basis medizinisches Cannabis ist, erheblich zugenommen. Und doch sind noch viele, durch das Endocannabinoid-System im Körper beeinflusste, Funktionen nur unvollständig erforscht.

Medizinisches Cannabis – Am Beispiel CBD

Cannabidiol, kurz CBD, ist ein Inhaltsstoff der Hanfpflanze, mit dem die Medizin vielversprechende Eigenschaften verbindet. Die CBD-Wirkung im menschlichen Körper gibt Millionen Patienten mit einer schweren Erkrankung wieder Hoffnung auf eine höhere Lebensqualität. Zahlreiche Therapieansätze haben bereits gute Erfolge mit der Anwendung entsprechender Präparate gezeigt. Aus medizinischen Hanfsorten gewonnen, ist die CBD-Wirkung schmerzlindernd, antiepileptisch und antipsychotisch. Darüber hinaus hat sich CBD in der Praxis als starkes Antioxidans und entzündungshemmendes Mittel erwiesen. Ein großer Vorteil von Cannabidiol: Der Stoff ist nicht psychoaktiv, löst also keine psychischen Veränderungen aus. Selbst in hohen Dosierungen sind keine relevanten Nebenwirkungen zu erwarten, insofern gilt die CBD-Wirkung auch als ausgesprochen sicher.

CBD-Wirkung bei chronischen Schmerzen

Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen, die Tendenz war in den vergangenen Jahren sogar eher steigend. Aufgrund der Erfahrungen gewinnen Cannabinoide in der Schmerztherapie an Bedeutung. Die CBD-Wirkung bei der Therapie differenzierter Krankheitsbilder ist auch in Fachkreisen unbestritten, insbesondere bei der Behandlung von neuropathischen Schmerzen haben sich Cannabinoide bewährt. Sie stellen eine hervorragende Ergänzung in der multimodalen Schmerzbehandlung dar, zu der neben Arzneimitteln auch physiotherapeutische Anwendungen, Entspannungsverfahren oder Psychotherapie gehören. Insofern ist medizinisches Cannabis und dessen CBD-Wirkung ein elementarer Baustein der Schmerzmedizin. Eine wichtige Rolle spielt die individuelle Situation des Patienten. Nicht selten tritt das sogenannte Schmerzgedächtnis zutage, also einer Chronifizierung, indem sich bei manchen Personen der Schmerz verselbstständigt. Die Chancen auf Linderung durch Cannabinoide verbessern sich, je länger die Krankheit andauert.

CBD-Wirkung auf das Nervensystem

Bei neuropathischen Schmerzen durch Schädigungen oder Erkrankungen des Nervensystems ist die CBD-Wirkung von medizinischem Cannabis gut belegt – hier ist das Nervensystem selbst der Auslöser der Schmerzen. Dronabinol, das aus der Cannabispflanze gewonnene THC, ist in der Lage, die Übertragung von Schmerzreizen in gewissem Maße zu unterbinden. Die Verabreichung kann in Form von Dronabinol-Tropfen oder Dronabinol-Kapseln erfolgen, die Kapselfüllung erfolgt mittels lipophiler Schmelze. Klinische Studien haben ergeben, dass bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen Cannabinoide die erhoffte Linderung brachten. Ebenso kann Dronabinol als Muskelrelaxans bei Multipler Sklerose sowie zur Appetitsteigerung bei Kachexie eingesetzt werden. Als Betäubungsmittel können Mediziner Dronabinol seit mehr als 20 Jahren verordnen, Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür seit Inkrafttreten des Cannabis-Gesetzes im Jahr 2017.

Endocannabinoid-System und die CBD-Wirkung

Im menschlichen Körper ist das Endocannabinoid-System an einer Vielzahl von Steuerungsprozessen beteiligt. Endocannabinoid-Mangel könnte deshalb mit ursächlich sein für die Entstehung von Krankheiten, etwa Fibromyalgie, Migräne oder Morbus Crohn. Das Reizdarmsyndrom ist mit einer Inzidenz von 10 bis 15 Prozent eine sehr häufig gestellte Diagnose. Bereits im 19. Jahrhundert wendete die Medizin Cannabis bei choleraassoziiertem Durchfall an, dessen Wirksamkeit wurde Anfang der 2000er-Jahre durch moderne Analysen untermauert.

CBD-Wirkung verbessert Lebensqualität der Patienten

Zu den weiteren Anwendungsbereichen einer denkbaren Indikation für eine Therapie mit medizinischem Cannabis zählen unter anderem auch Polyneuropathie, Schuppenflechten, Chorea Huntington, Epidermolysis bullosa, Zervikobrachialgie, degeneratives LWS-Syndrom, chronisches LWS-Syndrom, LWS-Syndrom, HWS-Syndrom und BWS-Syndrom. Darüber hinaus ist bei Erkrankungen wie Spastizität bei Multipler Sklerose und Paraplegie, Epilepsie sowie Schlafstörungen oder Angststörungen eine Linderung zu erwarten. Die CBD-Wirkung medizinischer Hanfsorten kann also bei vielfältigen Krankheitsbildern weitreichende Erfolge und eine verbesserte Lebensqualität zeigen.