Verschiedene Einnahmeformen für medizinisches Cannabis

Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2017 dürfen Ärzte in Deutschland Cannabis als Medizin in unterschiedlichen Darreichungsformen verordnen. Dadurch hat sich die Situation vieler Patienten deutlich verbessert, ihr Leben wieder an Wert gewonnen. Welche Einnahmeform in der individuellen Situation geeignet ist, kann am besten der behandelnde Arzt beurteilen. Dabei stehen mehrere Applikationsmöglichkeiten zur Auswahl: vaporisieren beziehungsweise verdampfen, Cannabisextrakt, orale Aufnahme über Lebensmittel oder Getränke, Tinkturen, Cannabis-Öle, Cannabis-Salben, Dosiersprays, Kapseln, sublinguale Aufnahme über die Mundschleimhaut. Vorgefertigte Fertigpräparate haben dabei den Vorteil, dass sich die Menge und damit die Wirkstoffe exakter dosieren lassen.

Verdampfen im Vaporisator

Viele Patienten präferieren medizinisches Cannabis in Form der Blüten mit unterschiedlichen Konzentrationen von Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Ärzte raten in diesen Fällen zur Methode des Verdampfens beziehungsweise Vaporisierens, weil beim Rauchen von Blüten gesundheitliche Risiken bestehen. Als Hilfsmittel dient ein sogenannter medizinischer Vaporisator, in dem man die Wirkstoffe verdampfen kann – sie werden idealerweise nur soweit erhitzt, dass die gewünschten Inhaltsstoffe aus der Blüte verdampfen. Bei Cannabisblüten liegt dieser ideale Temperaturpunkt des Verdampfens oberhalb von 185 Grad Celsius. Bei diesem Vorgang bildet sich freies CBD und THC als inhalierbares Aerosol, die Wirkung tritt schon nach wenigen Minuten ein.

Mundspray oder Cannabis-Öle

Alternativ können Ärzte auch medizinische Fertigpräparate verordnen. Hier haben sich das Spray als Anwendung in der Mundhöhle zur sublingualen Aufnahme sowie die Einnahme als Kapseln gut etabliert. Patienten können Cannabis-Öle oder ölige Dronabinol-Tropfen oral einnehmen, letztere werden aus raffiniertem Cannabisölharz mithilfe von mittelkettigen Triglyceriden hergestellt. Wer die Wirkstoffe in flüssiger Form zu sich nehmen möchte, kann aus den Cannabisblüten auch einen Tee zubereiten. Dieser Prozess verlangt jedoch gewisse Kenntnisse, denn anders als bei klassischen Tees liegen in den zerkleinerten Blüten nur die Vorstufen der wirksamen Cannabinoide vor. Diese müssen zunächst decarboxyliert werden. Generell dauert es bei der oralen Einnahme etwa 30 bis 90 Minuten bis zu einer spürbaren Wirkung.

Cannabis Salben zur äußerlichen Anwendung

Zur gezielt lokalen Behandlung können Patienten auch Cannabis-Salben, Lotionen oder Cremes äußerlich anwenden. Diese sogenannten Topicals werden insbesondere bei verschiedenen Hautkrankheiten eingesetzt, hier spielt die entzündungshemmende Wirkung von medizinischem Cannabis eine Rolle. In Deutschland sind Cannabis-Salben, Lotionen oder Cremes mit CBD und lediglich sehr geringem oder ohne THC-Anteil frei verkäuflich. Der Körper nimmt die Inhaltsstoffe über die Haut auf, die Wirkung entfaltet sich dann über die Cannabinoidrezeptoren.